Die Anfänge

Mer vezäihle vun dehoam !

Die Trachtengruppe von der Gründung bis heute.

Im Quellgebiet der Weschnitz, in einem lieblichen Talkessel inmitten des Odenwaldes liegt das gleichnamige Dörfchen. Es ist weit über Hessens Grenzen hinaus bekannt in seiner Bedeutung als anerkannter Erholungsort, seiner Geschichte, und nicht zuletzt durch die Trachtengruppe, die als Kulturträger mit ihren Reisen und Auftritten in Nah und Fern zu dem guten Ruf beigetragen hat.

Angefangen hat es mit der Trachtengruppe im Mai 1958, als in Weschnitz das Richtfest der neuen Schule gefeiert werden sollte. Zu der damaligen Zeit wurden im Odenwald mehrere einklassige Schulen geplant und gebaut, bei deren Einweihungen unser Schulleiter Herr Josef Metzendorf und seine Frau Anneliese dabei waren und hinterher sagten: „Immer dasselbe“. In Weschnitz sollte es anders werden, und so kam Herr Metzendorf auf den Gedanken seine Schulkinder in Tracht zu kleiden, die er in Lindenfels ausgeliehen hatte. Bei der Schulhausweihe dann, im Herbst 1958 traten die Schulkinder und ein paar ältere Weschnitzer in Tracht vor die Öffentlichkeit mit einem Heimatstück und Tänzen aus dem Odenwald. Die anwesenden Gäste, besonders Landrat Dr. Lommel, waren begeistert. Nun hatte die Idee gezündet. In den Handarbeitsstunden und auch nebenher stickten die großen Mädels Hosenträger, und unter der Anleitung der erfahrenen „Oma Müller“ nähten eifrige Hände weitere stilechte Trachtenstücke, die im Wesentlichen der Odenwälder Tracht gleicht, wie sie Hans von der Au beschreibt. Alles war „Vergelt’s Gott“ Arbeit, so auch bei der Rausche Lina, unserer Häubchenmutter, die sämtliche kunstvollen, mit je 1600 Perlen bestickten Häubchen anfertigte.

Mit der eifrigen Gruppe, die anfangs nur aus den Schulkindern bestand, gab es viel Spaß und Freude, so dass auch alsbald noch mehr Weschnitzer hinzukamen, besonders die Eltern der Schüler. Über Winter wurde viel gesungen und das Tanzen geübt, wobei uns die Erlenbacher und die Reichelsheimer Trachtengruppe sehr behilflich waren. Von den Reichelsheimer Geburtshelfern kam vor allem  Gerd Schwinn zu uns nach Weschnitz, um mit uns im alten Hoffmann’s Saal Walzer und Polka einzustudieren. Dass einiges in der kalten Jahreszeit gelernt worden war, von dem „wie es früher war“, das zeigten wir dann im kommenden Frühjahr und Sommer bei Feuerwehrfesten und Heimatabenden und seit dem Sommer 1962 alljährlich beim Fürther Johannismarkt.

Dauergäste wurden wir mit den Jahren auch beim Lindenfelser Burgfest, meist dabei mit Dreschflegel, Reff, Ebbelwoi un Riwwelkuche, und nicht zuletzt regelmäßig bei den jährlich stattfindenden Hessentagen. Von Beginn an ist die Gruppe Mitglied in der hessischen Vereinigung für Volkstanz- und Trachtenpflege, kurz HVT genannt, deren Tagungen und Lehrgänge mit Eifer besucht werden. Durch den HVT kam die Gruppe auch an wirtschaftliche Unterstützung durch das Land Hessen, wodurch weitere Trachtenanschaffungen erleichtert wurden. Eingeweihte werden wissen wie teuer die Trachten sind, und da wir früher nie Eintritt für eine Veranstaltung erhoben haben, sei es bei Heimatfesten, Heimatabenden oder Spinnstuben, war der HVT in finanzieller Hinsicht, und nicht zuletzt auch in der Brauchtumspflege eine Stütze der Trachtengruppe.

Bei den vielen Fahrten und Veranstaltungen im In- und Ausland und ganz besonders bei den Hessentagen, wurden manche Freundschaften mit anderen Trachtengruppen geschlossen, deren Bindungen heute noch anhalten. So auch bei den Auslandsfahrten nach St.Walburg (Südtirol-Ultental) 1965 und 1966 und 1982 nach Wien und St.Margarethen (Burgenland), 1991 in Schweden und auch in Belgien und der Schweiz mit unvergessenen schönen und erlebnisreichen Tagen für alle Teilnehmer. Aber auch in Deutschland, bei den Berlin-Kreuzberg-Festtagen, dem Münchner Oktoberfest, den Bundesgartenschauen in Mannheim und Bonn, sowie den etlichen nationalen und internationalen Trachten- und Folkloretreffen war unsere Gruppe ein Repräsentant des singenden und klingenden Hessenlandes.

Nachwuchssorgen kannte die Trachtengruppe nicht. Mit der Einschulung in Weschnitz traten die Erstklässler meist auch in die Trachtengruppe ein. Einige der damaligen Schülern sind heute noch aktiv. Im Rahmen der hessischen Schulreform im Juli 1970 wurde auch die Schule in Weschnitz geschlossen. Sie  dient heute unter anderem als Übungsraum der Gruppe, wo wöchentlich Tanzstunden der Kinder- und Jugend- und Erwachsenengruppe abgehalten werden. Ebenso treffen sich einmal im Monat die Knoddelweiber (Spinnstube).

Für den „guten Ton“ bei den Tanzstunden und Auftritten sorgte über 20 Jahre lang Frau Else Gottwald. Ihr folgte die nächsten Jahrzehnte Ursula Wagner aus Krumbach.

Unser Gruppe heute (2018 und 60 Jahre alt): Es gibt 2 Kindergruppen, gestaffelt nach Alter und die Jugend- und Erwachsenengruppe. Für Musik bedienen wir uns i den Übungsstunden du auch bei Auftritten der modernen Medien. Die Bindung zur HVT besteht nach wie vor und ein Vorstandsmitglied ist auch Mitglied im Vorstand des HVT-Bezirks Süd. Über die ganzen Jahre hinweg bewegte sich die Mitgliederzahl der Trachtengruppe um die 50-60, was schon eine beachtliche Leistung bei ca. 300 Einwohnern in Weschnitz darstellt. Dass es auch in Zukunft so bleibt, dafür sorgt vor allem unser Nachwuchs. In den Kinderübungsstunden werden nicht nur Walzer- und Polka Schritte einstudiert, sondern auch Wanderungen unternommen und es wird gerne gemeinsam gebastelt. Erwähnt werden sollte auch, dass die Kinder heute noch Häubchen tragen, die die Mädchen in den 1990er Jahren über Winter mit dem Symbol des Lebensbaums und Hosenträger nach alten Vorlagen besticken; Da standen aber unsere Buben auch nicht zurück: Sie besticken Bänder für die Trachtenhosen.

Wir sind ständig bemüht, neue alte Tänze zu lernen, um dem Publikum Abwechslung in den Vorführungen zu bieten. Dass  dieses Vorhaben auch glückt, müssen Lehrgänge besucht und in der guten alten Zeit gewühlt und geforscht werden. Hierbei treten dann meist auch alte Lieder und Gedichte zu Tage, die unseren Gästen gerne dargeboten werden.

Mit dieser Rückschau soll all jenen gedankt werden, den aktiven und passiven Mitgliedern, den Helfern, Freunden und Gönnern der Trachtengruppe, die mitgewirkt haben an dem Aufbau und Fortbestand des Vereins. Wir hoffen, es gefällt allen Gästen in der nahen Zukunft so gut, wie dem Hannickel (Mundartkolumnist der Südhessichen Post) mit seiner Kritik in der Zeitung vom Juli 1977, als er schrieb: „Gonz bäsunnersch häwe mer die Weschetzer Mädchen un Buwe gfalle. Also däs is die erscht Volgsdonzgrupp wou net schdeif donzt. Sie is bäschdimmt die bescht, wou ich je gsäihje häb! Die häwe waiklich gedonzt, wie die junge Leit friehjer gädonzt häwe. Do war Läwe un Schmiß drin, do sin die Boa un die Reck gfloge wie in olde Zeire.“

Das soll auch weiterhin der Leitfaden für unsere Gruppe sein:

Tanzen aus Spaß an der Freud‘ und der Liebe zur Heimat und zum Brauchtum im Odenwald.